Noch ein Geheimtipp
in New Jersey:
Das legendäre Asbury Park

New Jersey, USA / 2011 / 2017

Das legendäre Asbury Park hat eine verrückte Zeit hinter sich: Einst ein beliebter Badeort in New Jersey und Geburtsort des berühmten "Jersey Shore Sounds", wäre die Stadt nach Rassenunruhen in den 1970ern beinahe von der Karte verschwunden. Doch die Musik hat die Stadt wieder zusammengeschweißt.

Heute ist ein Spaziergang entlang des Boardwalk in Asbury Park wie eine nostalgische Reise durch die Geschichte des Ortes – und gleichzeitig ein Besuch im "Wohnzimmer" von Bruce Springsteen. Für Europäer ist Asbury Park noch ein Geheimtipp, trotz des weltweit bekannten "Stone Pony" …

Greetings from Asbury Park –
legendärer Badeort und Musik-Mekka

01 / Über Asbury Park

Schon seit dem späten 19. Jahrhundert war Asbury Park ein blühender Erholungsort an der Ostküste der USA. Der breite, feine Sandstrand samt Pier lockte nicht nur jede Menge Touristen an – sondern auch Investoren, Zauberer, Gaukler und andere Entertainer kamen mit Geschäftsideen nach Asbury Park. Spätestens mit dem Bau der Convention Hall und dem Paramount Theater – beide durch die Grand Arcade miteinander verbunden – sowie dem Casino, avancierte die Stadt zu einem echten Juwel an der Jersey Shore. So strömten noch mehr Familien aus ganz New Jersey und New York nach Asbury Park, um sich am Strand zu erholen, in den Amusement Parks zu vergnügen oder im Casino zu spielen.

Während sich am Strand die Badegäste amüsierten, entwickelte sich ab den 1960ern eine eigene Musikszene in Asbury Park. Im legendären "Upstage Club" und vielen anderen Bars der Stadt fingen Musiker in der Pre-Beatles-Area an, mit einem Mix aus Rock'n'Roll, Blues und Jazz ihren eigenen Stil zu entwickeln. Diese Musik hatte sich unter dem Begriff "Jersey Shore Sound" schnell einen großen Namen gemacht hat.

Rassenunruhen sorgten für den tiefen Fall von Asbury Park

02 / Asbury Park in den 70er Jahren

Die Eröffnung des Garden State Parkway, der sich von Newark aus entlang der Küste bis Cape May erstreckt, erlaubte Besuchern Ende der 1960ern plötzlich, auch andere Küstenstädte mit schönen Stränden weiter südlich bequem zu erreichen.

Doch weniger die neue Infratruktur ist es, die Asbury Park das Überleben erschwert. Es sind besonders die Rassenunruhen in den 1970er Jahren, die Asbury Park wortwörtlich in Flammen aufgehen ließen. Viele Bewohner verließen die Stadt, und die Besucher blieben aus. In den Folgejahren verließen schließlich auch viele Geschäfte die Stadt. Und so entwickelte sich Asbury Park zu einem ziemlich heißen Pflaster.

Die Musikszene hält Asbury Park zusammen

03 / Asbury Park in den 2000ern

Für die nächsten 45 Jahre war Asbury Park von Verfall gezeichnet. Ein Großteil aller Wohn- und Geschäftshäuser blieb verlassen zurück. Doch die Musikszene blieb der Stadt stets treu. 1974 eröffnete der legendäre Rock & Roll Club, das Stone Pony. Nach dem Ende des "Upstage Club" wurde das "Stone Pony" schnell zum Wohnzimmer von lokalen Größen wie Southside Johnny and the Asbury Jukes, Bon Jovi und natürlich Bruce Springsteen.

Die Musik hat es über die Zeit geschafft, Investoren nach Asbury Park zu locken, welche die Stadt Stein um Stein wieder aufgebaut haben. Noch auf seinem Album "The Rising" aus 2002 schrieb Bruce Springsteen im Song "My City of Ruins" über Asbury Park: "[...] Young men on the corner // Like scattered leaves // The boarded up windows //The empty streets. [...]" 15 Jahre später erlebt Asbury Park ganz langsam seine Wiederauferstehung. Alles rund um die Strandpromenade – dem Boardwalk – wird liebevoll restauriert. Die Stadt verändert sich, wie wir immer wieder feststellen, rasant schnell.

Dokumentation:
Asbury Park:
Riot Redemption Rock & Roll

Die Dokumentation von Tom Jones erzählt die Geschichte vom Aufstiefg und Fall von Asbury Park und ihrer Musikszene, welche die Stadt wieder zusammengebracht hat. Musiker wie Steven Van Zandt, Southside Johnny Lyon und Bruce Springsteen erzählen in diversen Interviews von Auftritten im sagenumwobenen Upstage Club. Der seit viereinhalb Jahrzehnten geschlossene Club Upstage ist eine perfekte Zeitkapsel, der Asbury Park wiedervereinte und einen Schmelztiegel für junge Talente darstellte. Dieser Kinofilm wurde weltweit nur am 22. und 29. Mai 2019 ausgestrahlt und wir hoffen, dass es ihn bald auch Bei Netflix & Co. zu sehen gibt.

Asbury Park ist im Begriff, einer der coolsten Orte an der Ostküste der USA zu werden!

04 / Asbury Park in der Zukunft

Trotz aller Veränderungen bleibt der einmalige Spirit in Asbury Park enthalten. Die Wonder Bar, in der fast täglich Live-Musik gespielt wird, ist ebenso ein restauriertes Relikt wie das imposante Paramount Theatre und die Convention Hall direkt am Boardwalk. Auch die viktorianischen Häuser in Asbury Park und im benachbarten Ocean Grove bekommen eine Frischzellen-Kur. Es entstehen neue, moderne Hotels wie das "Asbury" oder das komplett renovierte "Berkely Oceanfront". Gute Gastronomie samt Craft Beer ist längst etabliert, und das Stone Pony zieht jedes Jahr mit seiner "Summer Stage" berühmte und weniger berühmte Musiker an die Ostküste.

Asbury Park ist also auf dem besten Weg, der einzigartigste Ort der östlichen USA zu werden. Auf jeden Fall wird es wieder ein Ort mit Kult-Charakter – vor allem für uns! Diese Stadt und ihre Stimmung muss man selbst erlebt haben. In nur 90 Minuten ist Asbury Park nur einen Katzensprung von New York City entfernt – das solltest du dir nicht entgehen lassen!

Bruce Springsteen's Asbury Park

05 / Hendrik's Fan-Statement

Credit: Art Maillet/Shore Fire Media

Credit: Frank Stefanko

Wer mich kennt, der weiß: Seit meinem achten oder neunten Lebensjahr bin ich ein großer Springsteen-Fan. Ganz besonders Bruce's erste Alben, von "Greetings from Asbury Park" über "Darkness on the Edge of Town" bis etwa "Born in the USA" haben es mir angetan, denn sie behandeln einen Zeitgeist und eine Lebensphilosophie, wie sie nur in den USA zu finden ist. Natürlich habe ich mich intensiv mit den Songtexten auseinander gesetzt – dabei wird Asbury Park immer wieder thematisiert. Kein Wunder, denn Asbury Park ist für Springsteen der Start in eine unvergleichliche Musiker-Karriere gewesen. Seine Heimatstadt Freehold liegt nur ein paar Meilen entfernt, und die Bars und Clubs entlang des Boardwalk wurden sein zweites Zuhause (wenn er nicht gerade im Upstage Club jammte).

Die Faszination und Liebe zu Asbury Park, und gleichzeitig die Abneigung sowie der Wunsch nach einem besseren Leben, beschreibt Springsteen in seinen Songs also mehrfach. Am deutlichsten wird das bei "Sandy / 4th of July". Jedes Mal, wenn ich dem Song zuhöre, beginnt ein intensives Kopfkino. Zu meiner Überraschung stellte ich vor allem beim diesjährigen Besuch in Asbury Park fest: Die Gegend rund um den Boardwalk ist genau so, wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Und das liegt nicht einzig und allein nur daran, dass der kleine Wahrsager-Laden von "Madame Marie" heute noch dort steht – auch wenn Madam Marie mittlerweile längst verstorben ist …

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© 2019 Hendrik Breuer & Rebecca Breuer