Salton Sea Kalifornien – Highlights & Foto-Locations

Salton Sea & Bombay Beach Reisebericht:
Die Highlights & besten Foto-Locations am wohl schrägsten Ort des Südwestens

Die Salton Sea ist ein Ort, der wirkt, als hätte man ihn vergessen. Eine riesige Salzlache mitten in der Wüste Kaliforniens, einst als Erholungsparadies gefeiert, heute eine surreale Mischung aus Verfall, Stille und morbider Schönheit. Doch wenn du denkst, hier gäbe es nichts mehr zu entdecken, irrst du gewaltig: Entlang der östlichen Uferlinie warten mit Bombay Beach und dem knallbunten Salvation Mountain zwei der wohl schrägsten und gleichzeitig faszinierendsten Stopps des gesamten Südwestens. Es sind Orte zwischen Kunst, Wüste und Wahnsinn – perfekt für alle, die auf Roadtrips gerne mal links abbiegen, während alle anderen geradeaus fahren.

Tags zu diesem Reiseziel

Reisebericht Salton Sea in Kalifornien

Lage & Route

US Bundesstaat

Kalifornien

Anzahl Besuche

2x

Reisejahre

2016
2025

Letztes Update

08.2025

Kurz & knackig — Unsere Meinung

„Rund um die Salton Sea bieten sich zahlreiche skurrile Fotomotive. Allerdings verfällt das Areal zunehmend, sodass mittlerweile immer weniger von der alten Zeit zurückbleibt.“

Inhaltsverzeichnis

01 — Geschichte

Aufstieg und Zerfall eines großen Ferienparadieses – die Geschichte der Salton Sea

Die Geschichte der Salton Sea ist spannend, dramatisch – und tragisch zugleich. Anfang des 20. Jahrhunderts sorgten massive Regenfälle dafür, dass ein provisorisch gesicherter Bewässerungskanal am Colorado River brach. In der Folge ergoss sich der mächtige Fluss fast zwei Jahre lang unkontrolliert in das tief liegende Salton Basin südlich von Palm Springs. So entstand ein riesiger, künstlicher See inmitten der kalifornischen Wüste – der 60 km lange und 25 km breite Salton Sea.

Aufstieg zum Freizeitparadies
In den 1950er und 60er Jahren avancierte der Salton Sea zu einem bedeutenden Freizeitparadies – mit Yachthäfen, Luxus-Hotels und Motels, Restaurants und Campingplätzen. Quasi Palm Springs, aber mit Stränden! Der See war größer als der Lake Tahoe und wurde unter dem offiziellen Namen "Salton Sea State Recreation Area" zu einem Hotspot für Wassersport und Prominente, aber auch Wochenendurlauber aus Los Angeles und San Diego. Auch für Zugvögel war der See ein bedeutender Rastplatz auf der Pazifischen Flugroute.

Ein fragiles Ökosystem gerät ins Wanken
Doch das scheinbare Paradies war von Anfang an ein empfindliches Gleichgewicht. Der See hatte keinen natürlichen Zu- oder Abfluss – was bedeutete, dass der Wasserstand und die Wasserqualität allein von Verdunstung und Zufluss aus der Landwirtschaft abhängig waren. Mit der Zeit stieg der Salzgehalt immer weiter – heute liegt er deutlich über dem des Ozeans. Zusätzlich wurden über Jahrzehnte Düngemittel, Pestizide und andere Schadstoffe aus der intensiven Landwirtschaft ins Wasser gespült. Das führte zu massiven Algenblüten, Sauerstoffmangel und giftigem Schwefelwasserstoff. Seit den 1970er Jahren kippt das ökologische System: Millionen toter Fische und Vögel bedecken regelmäßig die Ufer – begleitet von einem beißenden Geruch.

Zerfall einer Traumkulisse
Mit dem ökologischen Kollaps verschwand auch der Tourismus. Investoren zogen sich zurück, Urlaubsorte wie Bombay Beach, Salton City oder Desert Shores verfielen. Zurück blieben leerstehende Motels, verrostete Wohnwagen und langsam zerbröselnde Ferienanlagen. Heute ist der Salton Sea ein surreales Panorama, ein Mix zwischen Geisterstadt und Freiluftmuseum. Nur wenige Menschen leben heute noch hier, viele in einfachen Trailern. Und obwohl es Bemühungen zur Rettung des Sees gibt, bleibt er bis heute ein Sinnbild für ein gescheitertes Umwelt- und Tourismusprojekt – traurig, faszinierend und verstörend zugleich.

Doch gerade das macht den Charme des Salton Sea so besonders – und einen Besuch so reizvoll.

Alte Schilder an der Salton Sea in Kalifornien

02 — Desert Shores

Sehenswürdigkeiten an der Westküste der Salton Sea: Desert Shores

Der am schnellsten und einfachsten zu erreichende Teil der Salton Sea ist die Westküste, entlang Highway 86, den du unweigerlich auf einer Fahrt von Palm Springs zum Anza Borrego State Park passierst. Hier liegt der kleine Ort Desert Shores. Der Name klingt nach kalifornischer Urlaubsidylle – nach Sonne, Strand und Seeufer. Und tatsächlich war genau das einmal die Idee hinter diesem Ort: In den 1950er Jahren entstanden hier dutzende Ferienhäuser, Bootsstege, Anleger, Motels und Trailerparks – alles mit direktem Blick auf den damals noch glitzernden Salton Sea. Doch von dieser Traumkulisse ist heute nicht mehr viel übrig.

Als wir bei unserem ersten Besuch in 2016 durch Desert Shores spazierten, konnten wir noch zahlreiche gut erhaltene Relikte dieser Ära entdecken: verlassene Häuser mit verblasster Urlaubsästhetik, rostige Wohnwagen, Betonrampen für Boote, zerbrochene Fenster mit wehenden Vorhängen – und immer wieder Graffiti, das wie ein künstlerischer Kommentar auf den Zerfall wirkte. Zehn Jahre später ist vieles davon verschwunden. Die markanten Ruinen wurden abgerissen, manche vom See selbst verschluckt oder durch Vandalismus vollständig zerstört. Was bleibt, sind nur noch vereinzelte Spuren dieser surrealen Vergangenheit.

Trotzdem lohnt sich ein kurzer Abstecher: Desert Shores hat noch immer etwas Eigenwilliges, fast Melancholisches. Die Straßen sind breit, aber leer. Einige Trailer sind bewohnt, ein paar Kinder spielen vor einfachen Häusern, Palmen wiegen sich im trockenen Wind. Am Seeufer stehen verlassene Stege im ausgetrockneten Schlamm, die früher ins Wasser führten – heute endet dort nur noch Geröll. Und doch liegt eine seltsame Schönheit über diesem Ort. Vielleicht, weil man hier den Verlauf einer gescheiterten Vision mit eigenen Augen sehen kann. Vielleicht, weil Desert Shores still und eindrucksvoll zeigt, wie vergänglich selbst die großartigsten Träume sein können.

Fire Station in Desert Shores an der Salton Sea in Kalifornien
Desert Shores an der Salton Sea in Kalifornien
Desert Shores an der Salton Sea in Kalifornien
Desert Shores an der Salton Sea in Kalifornien
Desert Shores an der Salton Sea in Kalifornien

03 — Salton City

Eine Stadt, die nie zum Leben erweckt wurde: Salton City

Der nächste Halt gilt Salton City, einem Ort, der wie eine Kulisse aus einem dystopischen Roadmovie wirkt. Der Name klingt nach nach Metropole, nach Palmen und breiten Boulevards. So war es jedenfalls geplant! Straßen wurden in einem riesigen Raster gezogen, komplett ausgestattet mit  Straßenschildern, Kanalanschlüssen und einer perfekten urbanen Logik. Nur: Die Stadt kam nie.

Heute ist Salton City ein Ort zwischen Aufbruch und Abbruch. Rund 6.000 Menschen leben hier – in einem Straßennetz, das für Zehntausende gedacht war. Ganze Wohnviertel bestehen aus leeren Grundstücken, durchzogen von Straßen, die ins Nirgendwo führen. Asphalt, der von der Sonne aufgerissen ist. Laternen ohne Licht. Straßenschilder mit verheißungsvollen Namen wie "Sea View Drive", obwohl das Meer längst zurückgewichen ist und der Blick heute auf vertrocknetes Ufer fällt.

Doch mitten in dieser gespenstischen Leere gibt es vereinzelt Leben: Häuser mit gepflegten Vorgärten, bellende Hunde, ein Diner, das wieder geöffnet hat. Ein Supermarkt mit mexikanischer Musik aus den Lautsprechern. Und dann wieder: nichts. Ein leerstehendes Motel, aufgegebene Wohnwagen, verrostete Autos. Die Stimmung ist schwer zu beschreiben – sie schwankt zwischen Trostlosigkeit und Faszination. Vielleicht liegt es daran, dass Salton City eine Stadt ist, die niemals gelebt hat. Eine Vision, die nie Wirklichkeit wurde. Und genau das macht sie so spannend.

Alter Ruine in Salton City
Alter Trailer in Salton City

„Einst das Freizeitparadies für ganz Hollywood in den 1950ern und 60ern, erlebt die „Amerikanischen Riviera“ schon bald ihren ökologischen Albtraum.“

Salton Sea, Kalifornien – 33°18'18.2"N 115°48'45.2"W

04 — Bombay Beach

Das Highlight an der Salton Sea: Bombay Beach

Am Ostufer der Salton Sea befindet sich das absolute Highlight der Salton Sea: Bombay Beach! Dieser kleine skurrile Ort ist ein absurdes Gesamtkunstwerk irgendwo zwischen Endzeitstimmung und kreativem Aufbegehren. Er bietet einer Vielzahl an Künstlern ein Zuhause, die den Ort nicht aufgeben, sondern ihn in etwas Neues verwandeln: Eine Bühne für Installationen, Skulpturen und schräge Ideen. Überall entdeckst du Kunstwerke im öffentlichen Raum – mal offensichtlich, mal versteckt zwischen Ruinen. Da steht ein halb versunkenes Klavier im ausgetrockneten Seeboden. Eine Telefonzelle mitten im Sand am Strand, wobei sich das Wasser der Salton Sea längst weit zurückgezogen hat. Eine komplett eingerichtete Wohnzimmerszene in einem verlassenen Haus ohne Dach. Eine angedeutete Kirche aus Neonröhren mit Blick auf den Horizont. Ein Polaroid-Museum in einem halb verrotten Haus. Oder das schräge "Bombay Beach Museum of Bombay Beach" – ein riesiger gelber Übersee-Container, in dessen Inneren sich viele sehr coole und professionelle Fotografien finden lassen.

The Bombay Beach Museum of Bombay Beach

Einige dieser Kunstwerke stammen vom alljährlichen Bombay Beach Biennale, einem Festival, das hier seit einigen Jahren stattfindet und Künstler aus der ganzen Welt anzieht. Ziel ist nicht Kommerz, sondern Ausdruck. Nicht Perfektion, sondern Provokation. Bombay Beach ist dadurch zu einem Ort geworden, der Freiraum für Gedanken, Kritik und kreative Eskalation bietet.

Trotz all der Kunst bleibt Bombay Beach ein Ort mit Brüchen. Die Bewohner, die geblieben sind, leben einfach. Viele sind Aussteiger, manche Künstler, manche Ruheständler, manche einfach Leute, die hier ihre Ruhe haben wollen. Aber es gibt auch Gemeinschaft, Gespräche und eine seltsame Form von Zusammenhalt.

Telefonzelle am Strand von Bombay Beach Salton Sea
Fernseher in Bombay Beach Salton Sea
Piratenschiff in Bombay Beach Salton Sea

Auch wenn der Ort so klein und überschaubar ist, haben wir die Zeit hier völlig vergessen. Ziellos lassen wir uns über Stunden durch die Straßen und am Strand entlang treiben – und stolpern so von einem schrägen Fotomotiv zum nächsten. Ehe wir schließlich weiterfahren, halten wir im "Ski Inn" am Ortseingang für ein kaltes Bier. Die urige Kneipe ist von oben bis unten tapeziert mit 1-Dollar-Scheinen, es fällt kaum Sonnenlicht in den Raum. An der einen Thekenhälfte klammern sich zwei alte, grauhaarige Harley-Davidson Biker an ein Bier, als sich am anderen Ende der Theke ein noch älterer Rocker langsam ergebt, eine Münze in die Jukebox wirft und sich damit einen weitere Rock-Song aus den Sechzigern wünscht. Willkommen im Amerika-Parallel-Universum, willkommen in Bombay Beach!

Drive In in Bombay Beach
Polaroid Museum in Bombay Beach
Liegt etwas unscheinbar in einer der Straßen versteckt: das Polaroid Museum in Bombay Beach
Ski Inn von Bombay Beach
Urige Kneipe, tapeziert mit Dollar-Scheinen: das Ski Inn von Bombay Beach

05 — Salvation Mountain

Slab City & Salvation Mountain – Freiheit, Farben und Fernab der Norm

Nur wenige Meilen südlich von Bombay Beach beginnt eine andere Welt. Eine Welt ohne Stromnetz, ohne Wasseranschluss, ohne Gesetze. Slab City nennt sich dieser Ort, entstanden auf dem Gelände eines ehemaligen Militärstützpunkts, von dem heute nur noch die Betonplatten („Slabs“) der einstigen Baracken übrig sind. Hier leben Menschen, die bewusst außerhalb der Gesellschaft stehen wollen – Off-Grid, jenseits von Regeln und Konventionen.

Slab City – „the last free place in America“
Was auf den ersten Blick aussieht wie eine improvisierte Wagenburg in der Wüste, ist in Wahrheit ein komplexes Mikrosystem aus Künstlern, Aussteigern, Veteranen, Idealisten und Einsiedlern. Manche leben hier dauerhaft, andere nur über den Winter. Strom kommt aus Solarzellen, Wasser wird herangekarrt. Es gibt ein selbstgebautes Café, eine Freiluft-Bibliothek und sogar eine Open-Air-Bühne, wo regelmäßig Konzerte stattfinden. Alles ist selbst organisiert – oder gar nicht.

Und genau das ist es, was Slab City so faszinierend macht: Die rohe, anarchische Atmosphäre zwischen Schrott, Kunst und Überlebenskunst. Es ist kein Ort für Zartbesaitete, aber einer, der berührt – gerade, weil er nicht gefiltert ist. Wer hierher kommt, sollte sich mit Respekt bewegen, nicht mit der Kamera vor der Nase. Denn so offen der Ort wirkt: Slab City ist kein Freilichtmuseum, sondern Heimat für echte Menschen, mit echten Geschichten. Deshalb verzichten wir darauf, von Slab City nur ein einziges Foto zu schießen.

Salvation Mountain – ein Denkmal aus Farbe und Glaube
Direkt vor den „Toren“ von Slab City liegt der Salvation Mountain. Eine über 15 Meter hohe, farbenfrohe Lehmstruktur, die mit unzähligen Bibelzitaten, Symbolen und bunten Gemälden bemalt ist. Der ehemalige Trucker Leonard Knight hat diesen Berg in jahrzehntelanger Arbeit erschaffen – aus Lehm, Heu, Farbe und purer Hingabe. Was als spirituelle Botschaft begann, wurde zu einem der bekanntesten Kunstwerke Südkaliforniens. „God is Love“ steht in riesigen Buchstaben auf dem Gipfel. Herzen, Blumen, Tauben und Wasserfälle zieren den Weg nach oben. Du kannst auf angelegten Pfaden über den Berg spazieren, die Details bewundern und in eine Welt eintauchen, die völlig losgelöst vom grauen Alltag scheint.

Salvation Mountain ist heute als nationales Kulturerbe anerkannt und wird von Freiwilligen gepflegt. Egal ob dub religiös ist oder nicht – es ist schwer, sich der Kraft dieses Ortes zu entziehen.

Salvation Mountain an der Salton Sea
Salvation Mountain an der Salton Sea
Salvation Mountain an der Salton Sea
Reisebericht Salton Sea mit Route zu allen Highlights und Sehenswürdigkeiten

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© 2024 — Hendrik Breuer & Rebecca Breuer

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